WHAT ABOUT BALANCE!

Im Laufe unseres Lebens durchlaufen wir Menschen eine Vielfalt von Erlebnissen, die uns auf intensive Weise sowohl körperlich und geistig als auch auf emotionaler Ebene prägen. Nicht etwa die Balance zwischen diesen Kräften ist das Ende dieses Zustands, sondern der Zustand, den wir erreichen, wenn wir keine Änderungen in unserem Leben zulassen.
Um die ständig steigenden Anforderungen des Lebens zu bewältigen, schafft der Mensch nach Lösungen. Immer schneller zieht das Leben an uns vorbei, der Druck auf jeden einzelnen verstärkt sich und wir empfinden schlicht und einfach ein Gefühl der Unzulänglichkeit und Ohnmacht. An diesem Punkt kommt die Technologie ins Spiel. Durch ständigen Fortschritt in der Technologie sollen Kapazitäten erweitert werden und mehr Leistung gebracht werden. Es gilt das Prinzip „schneller – höher – weiter“. Gleichzeitig jedoch findet eine Veränderung der menschlichen Gefühlswelt statt. Nach der Theorie von McLuhan nahmen in prähistorischen Zeiten die Menschen, eingebunden und geborgen in ihren jeweiligen Stammesverbänden, die Welt um sich herum als harmonisches Ganzes wahr. Die technische Evolution hat diese Haltung verändert. Entstanden ist eine Art Wahrnehmungsparabel: Auf die elektronische Revolution, die für unser Zeitalter so charakteristisch ist, wird zweifellos eine Art Rückbesinnung auf frühere Werte folgen. Vielleicht eine Chance für uns Menschen, unser sensorisches Gleichgewicht wiederzufinden. Die Kunstwerke von LED B vereinen eine außergewöhnlich extravagante Präsenz mit ihrer fast banal scheinenden, alltäglichen Anmutung.

Zum Beispiel das Objekt in Form eines Tisches überrascht den Betrachter mit unerwarteter Dynamik. Mit Hilfe von Eisenspänen werden die unsichtbaren elektromagnetischen Felder sichtbar gemacht, die sich um uns herum befinden und die auf uns einwirken. Abgestumpft durch die Monotonie des Alltags, bewundern wir trotzdem staunend, die sich ständig ändernde Anordnung der Metallspäne auf der Tischplatte. Die unablässige Bewegung, die das Kunstwerk charakterisiert, hat ein fast schon beruhigende Wirkung.
Mit diesen hier präsentierten Werken möchten die Künstler durchaus provozieren und nicht zuletzt dazu anregen, intensiv auf sich wirken zu lassen – vielleicht sogar das eigene Gleichgewicht auf körperlicher, psychischer und emotionaler Ebene wiederzufinden.

 

WHAT ABOUT EMOTIONS!

 

WHAT ABOUT RETROCOMPUTING!

 

 

Generation Ur-Tronika

Mit ihrem Ur-Tronika stellen sich Laura Danzi (Deutschland: 1968) und Pasquale Fameli (Italien: 1986) die Frage, wie eine Neo-Matrix digitaler Technologien die Wahrnehmung der Welt um uns herum radikal verändert.

Das Prinzip ist recht einfach und geht auf die prophetische Aussage von M. McLuhan über den Ur-Zustand zurück, in dem sich der zeitgenössische moderne Mensch am Beginn des elektronischen Zeitalters befindet. Wir stehen am Beginn einer neuen Ära, dem digitalen Zeitalter, alle im Zustand der Primitiven. Während Digital Natives heranwachsen, sind die Generationen aus dem letzten Jahrhundert in einen merkwürdigen Zwischenzustand geboren, der sie nicht nur zu Hütern der Vergangenheit, sondern auch zu Pionieren der Zukunft macht. Dieser Zustand macht uns besonders sensibel für Wahrnehmungs-Dualitäten, welche aus der Kombination von traditionellen und digitalen Medien resultieren.

Die Reflexion der Ur-Tronika drückt sich zwischen den Extremen von Tradition und einem Morgengrauen der Zivilisation aus. Die archaischen Holzskulpturen von Laura Danzi, vergleichbar mit anthropomorphen Statuetten aus dem Lager der Jungsteinzeit, interagieren mit den digitalen Video-Projektionen Pasquale Fameli.

Das digitale Bild, vermutlich im Bewusstsein seines embryonalen Zustandes, reflektiert wiederholt seinen eigenen Status mittels seines generativen Codes. Dieses Spiel nennt man Glitch, was die virtuelle Konfiguration mit immateriell sinnlichen Strömen von heller Farbe bedeutet. Diese Zersetzung (Corrosion) des Bildes wird durch die rauhen Oberflächen der neu geborenen Götzen verstärkt. Wenn man sie genau betrachtet, zeigen sie ihre anthropomorphe Natur auf rätselhafte Weise. Zugleich erweisen sie sich durch die Aufnahme von ein paar digitalen Genomen als zeitgenössische Wesen.

Diese Installation ist ortsspezifisch und nutzt die atmosphärische Kulisse des vorgegebenen Raumes. Welche Nachricht vermittelt sie uns? Vielleicht eine Reflexion darüber, inwieweit Neo-Technologien uns durchdringen. Der Gebrauch der neuesten elektronischen Gadgets im Alltag führt zu Mutationen der menschlichen Spezies – in welchem Umfang, bleibt, abzuwarten?

Elisa Baldini | Kunsthistorikerin

 

 

 

 


 

 

Ich im Wunderland

 

 S. GIORGIO, IL DRAGO E LA PRNCIPESSA